Gezackte Felsen in einer Bucht im Cabo de Gata

Geheimtipp in Spanien – das zauberhafte Cabo de Gata

Einmalige Vulkanlandschaften. Fantastische Buchten. Und noch dazu ist Cabo de Gata fast so etwas wie ein Geheimtipp. Zumindest für das touristische Spanien der Mittelmeerküste. Wer nach abgelegener Ruhe verbunden mit gigantischen Ausblicken sucht, der ist hier in diesem Gebiet im Südosten Spaniens genau richtig. Ende Mai 2018 machten wir uns auf die Suche nach unserem spanischen Paradies. Nach einigen Tagen an der Küste unterhalb von Cartagena zog es uns weiter gen Süden. Noch hatten wir unser Glück nicht gefunden. Die ewigen Touristengebiete der Ostküste konnten uns nicht wirklich überzeugen. Auch wenn der ein oder andere Anwärter auf den perfekten Strand dabei war, irgendwas gab es immer, das uns dazu bewog weiterzufahren.  

Den Kopf frei bekommen im Cabo de Gata

Als wir die ersten Kilometer im Naturpark von Cabo de Gata-Nijár passieren, ist der Himmel grau, es nieselt leicht und unser Auto schwankt unter dem pfeifenden Wind hin und her. Seit Tagen lässt uns das Wetter im Stich! So langsam haben wir die Nase gestrichen voll von dem ewigen Regen.   

Unsere Fahrt verläuft bisher ziemlich ohne Plan. Wir sind einfach losgefahren und lassen uns treiben. Ohne Karte und ohne zu wissen, was genau wir uns ansehen wollen. Bald jedoch weist ein Schild auf die erste Attraktion des Naturparks hin. Sollen wir einen Abstecher machen? Na gut, warum denn nicht!  

Der Weg führt uns eine dünne Straße hinauf zu einer abgerundeten Bergkuppe. Wir folgen den Schildern, bis der angepriesene Leuchtturm nur noch wenige Meter entfernt liegt. Außer unserem Wagen parken dort nur ein bis zwei weitere Autos und warten auf ihre Besitzer. Besonders viel los ist also nicht! Das schlechte Wetter macht uns auf eine unangenehme Weise müde. Trotzdem überwinden wir uns und legen die letzten Meter zu Fuß zurück. Körper und Seele fassen neue Kraft und die frische Luft reinigt unsere müden Köpfe. Endlich sind wir bereit uns auf das Abenteuer Cabo de Gata einzulassen. Gerade noch rechtzeitig! Das, was da vor uns liegt, sollte man mit einem wachen Geist genießen. Endlose Klippen ragen weit hinauf, grüne Wiesen berühren den trüben Himmel und das raue Meer peitscht hoch gegen die Felsen. Eine Bucht reiht sich an die nächste. Es wirkt so als wäre man in der Lage ganz Cabo de Gata zu überblicken. Zu unserer linken befindet sich der Leuchtturm Faro de la Mesa Roldán und wenn wir uns nach rechts drehen haben wir einen Blick auf einen großen steinernen Turm, der einst Zeuge vieler Seemannsgeschichten gewesen sein muss. Wir bleiben einige Minuten stehen und genießen das Schauspiel, das sich uns bietet.  

Bucht um Bucht: Playa de los Muertos und Cala de Plomo

Wer möchte kann auf dem Rückweg vom Leuchtturm einen Stop beim Playa de los Muertos einlegen. Der Strand ist ungefähr einen Kilometer lang und überzeugt mit traumhaft klarem Wasser. Inmitten des Sandes ragen einzigartige Felsnasen auf und beeindrucken die Besuchenden.  

Unsere Fahrt führt uns weiter Richtung Süden. Langsam macht sich der Hunger bemerkbar. Das laute und bedrohliche Knurren ist nicht mehr länger zu ignorieren. Schließlich folgen wir einem dünnen asphaltierten Pfad von der Hauptstraße nach links weg und bald schon stranden wir in der nächsten Bucht – namens Cala de Plomo – wo wir unsere Kochutensilien auspacken. Endlich hat es aufgehört zu regen und wir können mit dem Kochen beginnen – unter freiem Himmel und mit Blick auf die blauen Weiten vor uns! Zum Glück haben wir noch ein wenig Couscous und Gemüse vom gestrigen Einkauf übrig. Bisher sind wir nicht an einem einzigen Supermarkt vorbeigekommen. Ob die Geschäfte in den kleinen Orten überhaupt durchgängig geöffnet haben?   

Nachdem wir unsere Mägen besänftigt haben, bleiben wir noch eine zeitlang in der kleinen Bucht. Wer etwas Klettergeschick beweist und keine Angst vor möglicherweise herabfallenden Steinen hat, der kann entlang einer wilden Felswand zur nächsten Bucht gelangen. Allein für die beeindruckenden Ausblicke lohnt es sich diesen Weg zu meistern. Als sich zu allem Überfluss auch noch die Sonne hervorwagt und den weißen Fels zum Strahlen bringt, breitet sich bei uns die Gewissheit aus: Dieser Naturpark ist ein ganz besonderer Ort.   

Straßen in Cabo de Gata

Das Fischerdorf Las Negra

Kurz bevor das letzte Licht des Tages erlischt, erreichen wir das schnuckelige Fischerdorf Las Negras. Wenige Autominuten von Las Negras entfernt erwartet uns unsere Bleibe für die Nacht. Ein gemütlicher Campingplatz, der so abgeschieden liegt, dass Du beim Einschlafen nichts außer das Meeresrauschen hörst.  

Am nächsten Tag wachen wir so erholt auf wie schon lange nicht mehr. Wir räkeln uns kurz, strecken die Hände in Richtung Sonne und wagen einen Sprung in unseren traumhaften Pool. Was für ein toller Campingplatz!  

Im Anschluss machen wir uns auf die Suche nach etwas Essbarem. Die eng verschlungene Straße, die den Campingplatz mit dem Dorf verbindet, erscheint uns wie die Antwort auf alle Fragen. Wo ist das Paradies Spaniens? Wo ist der schönste Ausguck auf den Ozean? Wo findet sich das tollste Dorf? Gut, wir wollen es nicht übertreiben! Sicher gibt es noch schönere Dörfchen auf der Welt, aber in Spanien spielen die süßen, weißgetünchten Fischerdörfchen von Cabo de Gata ganz klar in der Oberliga mit. Unsere Favoriten sind mit größter Gewissheit Las Negras, La Isleta del Moro und Níjar. Diese drei solltest Du unbedingt gesehen haben. Die ersteren zwei befinden sich an der Küste und das dritte im hügeligen Hinterland unseres Lieblings-Naturparks. Während Isleta del Moro schon zur Vorsaison touristisch überrannt ist, liegen Las Negras und Níjar dann noch in absoluter Stille da. Die Vorliebe der Reisenden für Isleta del Moro ist jedoch gut nachvollziehbar. Alle anderen Dörfchen deuten an, was möglich sein könnte. Isleta de Moro hingegen führt es aus. Stell dir vor Du stehst vorne in dem winzigen Fischerhafen. Um dich herum glitzert das korallenblaue Meer im Sonnenschein. Eine traumhafte Bucht gibt den Blick auf einen ehemaligen Vulkan frei. Dann drehst Du dich nach links und schlenderst durch die engen Gässchen. Vorbei an blauweißen Türen und Wäscheleinen. Die wenigen Restaurants und Tapas-Läden halten gerade Siesta und außer ein paar anderen Neugierigen hast Du die Idylle für dich. Zu guter Letzt unternimmst Du einen ausgedehnten Spaziergang hinauf auf den Felsen inmitten der Bucht. Dort oben lässt Du dich ins vertrocknete Gras sinken und vergisst jeden deiner Gedanken. Alles, was jetzt noch zählt, ist dieser grandiose Ausblick und der Moment.  

Wunderschöne Buchten im spanischen Cabo de Gata

Wo Licht ist, ist auch Schatten

Was hat Cabo de Gata sonst noch zu bieten? Nun dafür müssen wir uns noch weiter in Richtung Süden begeben. Neben eindrucksvollen Stränden gibt es dort leider auch ein unschönes Detail, das wir beabsichtigen anzusprechen. Auf dem Weg zur Südseite von Cabo de Gata sind wir aus dem Staunen nicht mehr herausgekommen. Aber nicht in einem positiven Sinne. Da unten stapelt sich ein Gewächshaus neben dem anderen. In Reih und Glied stehen sie da und trotzen seit Ewigkeiten Wind und Wetter. Bestimmt zwanzig Minuten sind wir gefahren, bis wir diese schaurige Naturverwüstung hinter uns gelassen haben. Aus dem Weltall muss das wie eine weiße Plastikwüste aussehen. Das Schlimmste ist aber gar nicht der Anblick sondern der Geruch. Wer schon einmal seine Schuhe für den regnerischen deutschen Winter imprägniert hat, der kann sich den Gestank vor Ort ungefähr vorstellen. Die Pestizide haben eben ihren Preis. Wir waschen unser Obst aus Spanien von nun an jedenfalls dreimal so lang! Am allermeisten mitgelitten haben wir mit den Arbeitern, die auf den Gewächsplantagen angestellt sind. Massen an ärmlich aussehenden Menschen stehen neben heruntergekommenen, einfach zusammengezimmerten Blechhütten und halten ihre Mittagspause. Die Arbeitsbedingungen an diesem Ort kann man sich an zwei Fingern abzählen. Oder davon in den Nachrichten lesen!   

Abschied vom Cabo de Gata

Ob sich da wohl in absehbarer Zeit etwas ändern wird? Wir sind auf jeden Fall große Gegner dieser Zustände, aber hier soll es trotzdem darum gehen dir diesen ansonsten wundervollen Flecken Erde näherzubringen. Wir wollen euch noch ein letztes Highlight aus Cabo de Gata vorstellen. Die Arrecife de las Sirenas. Das ist eine Ansammlung spitzer Felsen im Meer, welche Du von einer Anhöhe am Festland aus überblicken kann. Kurz nach einem traumhaften Sonnenaufgang am Playa de los Genoveses steigen wir ins Auto und machen uns auf den Weg zu den Sirenas. Viel versprechen wir uns davon noch nicht! Da drüben soll es äußerst touristisch zugehen! Zunächst scheint sich das auch zu bewahrheiten. Der Ort San Miguel ist eher eine unglücksselige Zusammensetzung minderschöner Häuser. Ein Kiesstrand, der schon zu dieser frühen Stunde von vielen Schwimmern besetzt ist, inklusive. Danach schlängelt sich die Straße eine steile Anhöhe hinauf. Das Blatt beginnt sich zu wenden. Bald fällt die Straße zu unserer Rechten steil nach unten ab. Wir fahren um die nächste Kurve und da sehen wir ihn. Den besten Ausblick aller Zeiten: Das Meer, ein Leuchtturm und eine Handvoll bunter Kanuboote bieten ein Schauspiel, das wir nicht so schnell vergessen werden. Die letzten Meter zum Aussichtspunkt auf die Felsen legen wir in bester Laune zurück. Heute verspricht ein toller Reisetag zu werden!  

Klares Mittelmeer Wasser im Cabo de Gata in Spanien

Über die Autoren Julia und Felix von Secluded Time

Julia und Felix haben im Zuge ihres Studiums ein Jahr in Spanien leben dürfen und das Land so von einer ganz anderen Seite kennen lernen dürfen. Davon und von vielen anderen spannenden Reisen berichten sie auf ihrem Blog Secluded Time. Sie sagen von sich selber, dass ihre Reiselust unstillbar ist. Neben spannenden Geschichten gibt es deshalb auf ihrem Blog aber auch die passenden Reisetipps, um aus Träumern Entdeckern machen zu können. 

Mehr zu den beiden und ihrer Liebe zum Reisen findest auf ihrem Blog Secluded Time.

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