Bosnien und Herzegowina bieten noch viele unbekannte Ecken für Reisende

Bosnien & Herzegowina – das Herz des Balkans

Werft doch mal einen Blick auf die Weltkarte. Dann zoomt auf den Balkan und mit ganz viel Fantasie werdet ihr erkennen, dass die Umrisse von Bosnien & Herzegowina denen eines Herzens ähneln. Ihr braucht Fantasie, aber es ist da. Deswegen und auch wegen der Menschen ist Bosnien & Herzegowina für mich das Herz des Balkans.  

Aber wie kam ich überhaupt darauf, dorthin zu reisen. Nun ja, ich hatte noch zwei Wochen Urlaub zu verplanen. Weit weg konnte es also nicht gehen. Der Balkan bildete noch einen sehr großen weißen Fleck auf meiner persönlichen Weltkarte. Dem musste ich Abhilfe schaffen und informierte mich über die unterschiedlichen Länder. Dabei geriet Bosnien & Herzegowina schnell in mein Blickfeld. Touristisch noch nicht überlaufen, günstig zu bereisen und ein muslimisch geprägtes Land. Auf meinen ganzen Reisen, die ich bisher so in meinem Leben unternommen habe, waren muslimische Länder immer die gastfreundlichsten. Und so viel darf ich vorab verraten: Ich wurde nicht enttäuscht.  

Erster Stopp der Reise: Sarajevo

Erster Halt meiner Reise war die Hauptstadt von Bosnien & Herzegowina: Sarajevo. Sarajevo ist für drei Dinge bekannt: Die Belagerung während des Bosnienkrieges, für die olympischen Winterspiele 1984 und für das Attentat von Sarajevo auf den Thronfolger Franz Ferdinand. Letzteres war der Auslöser für den ersten Weltkrieg. In Sarajevo vereint sich also sehr viel Geschichte. Vielleicht ist es diese historische Vergangenheit, gepaart mit den vielen verschiedenen religiösen und auch kulturellen Einflüssen, die Sarajevo so einzigartig machen. Moscheen, Kirchen und Synagogen stehen nicht weit voneinander entfernt, alle im friedlichen Einklang. Und, so sagte es mir mein Guide der Free Walking Tour, die Einwohner Sarajevos feiern einfach alle religiösen Feste gemeinsam. In Sarajevo lässt man sich treiben. Die Atmosphäre ist entspannt. Man hat das Gefühl, dass die Einwohner Sarajevos nicht in Eile sind. Hektische herumrennende Menschen, wie in anderen großen Städten, sieht man nicht. Niemand trägt einen Coffee-to-go Becher in der Hand. Wer Kaffee oder Tee trinken möchte, setzt sich in eines der vielen kleinen Cafés in der Altstadt, Stari Grad. Für gerade mal 2 BAM (Bosnische Mark) bekommt man einen türkischen Tee, der bosnische Kaffee kostete nicht viel mehr. Und zur besseren Einordnung 2 BAM entsprechen genau 1 EUR. Immer. Es gibt keinen schwankenden Wechselkurs. Nie war es leichter umzurechnen.  

Ja, in Sarajevo nimmt man sich Zeit. Dieses Gefühl habe ich genossen. Es war sicherlich einer der Gründe, warum ich mich in diese Stadt verliebt habe. Ein anderer Grund? Die Einwohner. Wie der Mann, der uns erst den richtigen Weg zu einer Aussichtsplattform zeigte und uns anschließend auf eine Runde Erfrischungsgetränke einlud, inklusive einer versuchten Unterhaltung über Google Translator. Und der uns dann am Ende, damit wir nicht in den sich anbahnenden Sturm kommen, mit seinem Auto zurück in die Stadt fuhr. Einfach so. Und all die anderen, die mir immer freundlich und mit einem Lächeln auf den Lippen entgegenkamen. Auch aus diesem Grund habe ich aus dem Sebilj Brunnen getrunken. Denn ein Sprichwort sagt, dass jeder Reisende, der aus diesem Brunnen trinkt, irgendwann Sarajevo wieder bereisen wird. In Sarajevo sollte man sich auch mit der Geschichte vertraut machen. Vor allen Dingen, mit der des Bosnienkrieges. Das Museum der Verbrechen gegen Menschlichkeit und Genozid bittet hierfür einen sehr guten Anlaufpunkt. Es ist wahrlich schwer zu verdauen, aber dennoch unheimlich wichtig. Damit auch dieser Krieg nicht in Vergessenheit gerät.  

Reise durch Bosnien und Herzegowina.

Neretva oder der göttliche Fluss

Nach Sarajevo reiste ich für zwei Tage nach Konjic. Eine kleine Stadt an der Neretva. Allein die Busfahrt dorthin ist ein Highlight. Bosnien & Herzegowina ist landschaftlich atemberaubend und unfassbar grün. Neretva bedeutet göttlicher Fluss und ist schnell in fünf Worten beschrieben: grün, schnell, klar, kalt und sauber. So sauber, dass das Wasser der Neretva an einigen Stellen sogar trinkbar ist. Es ist ein Fluss, der mit seiner smaragdfarbenen Färbung verzaubert. In Konjic mit der wunderschönen Old Bridge im Hintergrund. Vor allen Dingen aber auch in Mostar. Wenn hier die Brückenspringer vom „Divers Club Mostar“ nach der Bezahlung durch die Touristen sich in die 17 Grad kalte Neretva stürzen. Unter dem anhaltenden Atem aller Zuschauer.  

Konjic Old Bridge

Mostar – die Stadt mit zwei Gesichtern

Die Stari Most ist das Wahrzeichen von Mostar. Während des Bosnienkrieges wurde sie im November 1993 zuerst beschädigt und dann unter mehrstündigen Beschuss zum Einsturz gebracht. Im Jahre 2004 konnte sie wiedereröffnet werden. Ganz nebenbei wurde sie 2005 zum Weltkulturerbe ernannt. Die Red Bull Cliff Diving Tour macht jedes Jahr in Mostar halt und dann wird die Stadt noch voller, als sie eh schon ist..  

Blick auf die Altstadt von Mostar

Mostar, vor allen Dingen die Altstadt mit der Stari Most und der Neretva ist wunderschön. Aber auch wahnsinnig überlaufen. Wer in Dubrovnik mit einem Kreuzfahrtschiff halt macht, bekommt die Gelegenheit zu einem Tagesausflug in die Stadt. Und das spürt man extrem. Während ich morgens noch in aller Seelenruhe durch die Gassen schlendern konnte, bot sich gegen mittags meist schon ein anderes Bild. Horden von Reisegruppen schoben sich eng an eng durch die kleine Altstadt, bevölkerten Restaurants und die Brücke. Ich musste weit abseits gehen, um noch ein ruhiges Plätzchen in diesem Trubel zu finden. Aber es war nicht unmöglich. Am Abend dann, wenn die Sonne langsam hinter den Bergen unterging und die Kreuzfahrer zurück zu ihrem Schiffen fuhren, kehrte wieder Ruhe ein in Mostar. Die Restaurants waren halb verwaist, die Souvenirläden schlossen frühzeitig, aber die Stille war ein willkommener Gast.  

Tagesausflüge rund um Mostar

Rund um Mostar kann man auch wundervolle Tagesausflüge machen. Der bekannteste geht wohl nach Blagaj. Dort, an der Karstquelle Vrelo Bune des Flusses Buna, befindet sich das Derwisch-Kloster (Tekija) und die oberhalb des Ortes gelegene Festung Stjepan Grad. Wer sich früh genug dort einfindet, kann diesen wunderschönen Anblick auch in aller Ruhe genießen.  

Derwisch-Kloster bei Blagai

Bosnien & Herzegowinas Adria Küste (ja, es gibt sie)

Nachdem Trubel in Mostar und bevor es über die bosnisch-kroatische Landesgrenze nach Dubrovnik ging, gönnte ich mir noch drei Tage am Meer. Ja, Bosnien & Herzegowina verfügt über einen 20 km breiten Zugang zur Adria. Viele rieten mir davon ab. Neum sei kein schöner Ort. Ich sollte lieber an einen der kroatischen Badestrände fahren. Und ja, Neum ist tatsächlich keine Adriaperle, aber ich hatte das Glück, etwas außerhalb der Stadt eine Ferienwohnung zu bekommen. Wenn ich auf dem Balkon saß, überblickte ich die kleine Bucht samt dem dazugehörigen Privatstrand. Jeden Abend gab es einen unglaublichen Sonnenuntergang. Es war ruhig und friedlich. Es war der perfekte Abschluss meiner Reise in diesem wundervollen Land mit seinen fantastischen Menschen.  

Sonnenuntergang am Strand von Neum

Meine Erwartungen an Bosnien & Herzegowina waren hoch und dennoch wurden sie übertroffen. Ich werde definitiv zurückkehren. Zurück in das Herz des Balkans.  

Warst du schon mal auf dem Balkan reisen oder steht Bosnien & Herzegowina noch auf deiner Liste? Wir freuen uns über deine Geschichte.  

Über die Autorin Kerstin

Kerstin aka Tante von Welt – Ich bin Kerstin, thirtysomething, dreifache Tante und komme aus der Region Hannover. Ich bin ein Dorfkind, was gerne die große Stadt vor der Tür und die weite Welt vor Augen hat. Meine Leidenschaft fürs Reisen wurde früh durch meine Eltern geprägt und nach meiner ersten Soloreise 2003 war ich endgültig infiziert. Es folgen viele Soloreisen durch Europa, die USA und Thailand, bis ich von November 2017 bis Juli 2018 einmal um die Welt reiste. Eine unbezahlbare Erfahrung. Mehr von meinen Reisen könnt ihr auf meinem Instagram Kanal tantevonwelt sehen. Ich freue mich, wenn ihr mir folgt. 

1 Comment
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